Onlinemagazin „Der Kontext“

Komplexe Themen spielerisch und multidimensional erkunden

Komplexe Themen mehrdimensional darstellen und multimedial entdecken: Im Rahmen der Social Media Days fand der Vortrag von Julia Köberlein unter der Überschrift „Der Kontext-das interaktive Hintergrundmagazin. Von der Masterarbeit zum Medienstart-up“ statt.

Hinter der Idee von „Der Kontext“ steckt laut Köberlein ein logischer und simpler Ansatz. Aus den eigenen Erfahrungen und dem Bewusstsein darüber, dass man permanent einem zu großen Newsstream ausgesetzt ist und komplexe Themen stets linear aufgebaut und dargestellt sind, entwickelte Julia Köberlein das interaktive Hintergrundmagazin „Der Kontext“.

Dieses Hintergrundmagazin bietet die komplexe Antwort auf komplizierte Themen, welche ein großes Hintergrundwissen zum Verständnis erfordert. Losgelöst von linearen Darstellungsformen gibt es hier eine interaktive Plattform mit visualisierten Darstellungsformen. Informationen werden gesammelt und eingeordnet, so dass ein Netzwerk an Informationen entsteht.

Im Rahmen ihrer Masterarbeit zum Thema Multiperspektive entwickelte sie ein Printobjekt zum Thema Piraterie in Somalia, wofür sie 2011 mit dem European Newspaper Award ausgezeichnet wurde. Das bestehende Interesse an ihrer Idee bestärkte sie, mit zwei Kollegen aus ihrem Berufsleben ein Start-up zu gründen. Gemeinsam übertrugen sie die Idee vom Printobjekt in ein Digitalmagazin und finanzierten sich durch zwei Stipendien, dem EXIST-Gründerstipendium und dem Media Lab Bayern. Mit dem Entschluss sich durch Crowdfunding finanzieren zu lassen, war der Weg geebnet, so dass „Der Kontext“ Ende Mai dieses Jahres mit seiner ersten Ausgabe zum Thema TTIP online gehen konnte. Bis jedoch der Entschluss fest stand, sich über Crowdfunding zu finanzieren verging viel Zeit, da sich dieses Finanzierungsmodell eher für einfache Projekte, ohne großen Erklärungsaufwand eignet.

Für Julia Köberlein war von Anfang an klar, keinen Free Content zu liefern, sondern Geld für ihre Inhalte zu verlangen. Die Stipendien ermöglichten es ihrem Start-up Unternehmen mit einer Beta Version die Zahlungsbereitschaft der Zielgruppe zu ermitteln. Seit der ersten Ausgabe bis heute sind weitere Ausgaben zum Thema Syrien und zum Thema Energiewende erschienen. Im Onlineshop kann eine Jahresmitgliedschaft zum Preis von 80,- Euro und Studenten für einen vergünstigen Preis von 60,-€ erworben werden. Außerdem kam es zu einer Kooperation mit der Zeitschrift Wirtschaftswoche zum Thema „Digital Wirtschaft“. Diese Kooperation ist für beide Parteien eine Win-win-Situation , da sich ihre Kompetenzen bündelten. Während die Wirtschaftswoche von einer neuen Darstellungsform in der Medienwelt profitiert, hat das Start-up Unternehmen Zugang zu den Lesern der Wirtschaftswoche und kann dadurch potentielle Kunden erreichen und ihre Bekanntheit erhöhen.

Visuelles Eintauchen –  multimediales Verstehen

„Der Kontext“ bietet dem Leser durch Themenlandschaften die Möglichkeit, visuell in das Thema einzutauchen. In den durch die Vernetzung entstandenen Kontenpunkten und unterschiedlichen Themenresorts kann sich der Nutzer nach eigenem Interesse immer tiefer in das Thema zoomen.

Dabei funktioniert das Netzwerk aus Themenresorts ähnlich wie Google Maps, die Themenlandschaft wird durch Zoom-Funktionen erkundet. Dabei ist die Lernphase für die Anwendung relativ kurz und einfach und die Nutzer finden sich in der Handhabung sehr schnell zurecht. Die Nutzungszeit eines Artikels liegt Erfahrungswerten nach zwischen 3-20 min und hat je Nutzer ca. 40 Page Impressions. Die Netzdiagramme zeigen Zusammenhänge auf, wodurch sich die Themen auf einzelne Ebenen einordnen lassen und er Leser gleichzeitig erkennt, wie die Themen zueinanderstehen. Alle Knotenpunkte sind anklickbar und werden auf verschiedene Art und Weise erklärt. Neben Experteninterviews, Grafiken und Videos gibt es auch interaktive Zeitleisten. Der Leser profitiert von den verschiedenen multimedialen Darstellungsweisen und kann frei auswählen wie tief er sich in ein Thema einliest. Für Leser, die sich in den Themenlandschaften nicht zurechtfinden, gibt es die Möglichkeit vorgefertigten Themenpfaden zu folgen, die einen durch das Thema, aber jederzeit die Möglichkeit haben, davon abzuweichen.

Das Verständnis für komplexe Themen soll durch eine spielerische Auseinandersetzung und einer multiperspektiven Betrachtung der Themen erreicht werden. Durch die Vielzahl von Entdeckungsmöglichkeiten der einzelnen Themenresorts sollen die Leser neue Aspekte und Perspektiven entdecken.

Respekt gegenüber allen Disziplinen

Laut Köberlein sollten die Entwickler der Software, Redakteure und Designer müssen Hand in Hand arbeiten. Eine Trennung nach den einzelnen Bereichen ist nicht möglich, da alle 3 Bereiche interdisziplinär miteinander verbunden sind. Respekt und Offenheit gegenüber den anderen ist genauso wichtig wie eine intensive Kommunikation untereinander. Nur wenn alle Bereiche an einem Strang ziehen, ist eine erfolgreiche Zusammenarbeit möglich. Respekt vor der Person als auch der Disziplin ist Grundvoraussetzung, damit jeder einen Profit aus der Zusammenarbeit ziehen kann.

Wie sich der Journalismus querfinanziert

Mit der Zeit hat sich gezeigt, dass die Software, die hinter dem Online Magazin steckt, auch ein interessantes Tool für andere Unternehmen ist. Diese können es nutzen, um Themenkomplexe aus anderen Bereichen und Branchen in einer neuen Form darzustellen.

Zu einem kleinen Teil finanziert sich „Der Kontext“ durch die Abonnements. Den deutlich größeren Teil der Einnahmen für das Jungunternehmen stellt die Querfinanzierung dar. Zunächst finanziert sich das Hintergrundmagazin durch seine Leser, wodurch im Best Case andere Unternehmen aufmerksam werden und die Software als Marketingtool einsetzen wollen. Dadurch kann das Start-up durch eine Lizenz über ihre Software Geld einnehmen und diese an andere Unternehmen als Tool weitergeben.

Status quo und zukünftige Entwicklungen

Mit dem Online Start konnte das Start-up Unternehmen neues Wissen erlangen. Bestätigt hat sich, dass es trotz Konkurrenz zahlreicher Free Content Nachrichtenportale, durchaus Lesegruppen gibt, die bereit sind für gute aufbereitete und informative Inhalte zu bezahlen. Der Mehrwert für die Leser findet sich in der Pflege der Artikel wieder. Die Themenwelten werden ständig gepflegt und weiter vernetzt.

Die durchschnittliche Nutzungsdauer zwischen 3 und 20 min zeigt, dass die Leser sich in den Themen je nach Interesse und Informationsbedarf mehr oder weniger tief mit dem Thema befassen und dadurch andere Aspekte des Entdeckens von neuen Themen für sich nutzen. Außerdem stellt das Tool nicht nur für Medienunternehmen eine interessante Darstellungsplattform dar. Der erste Kunde des Start-ups ist eine Schule aus Österreich, welche dieses Tool in ihrem Schulbetrieb einsetzt, um Inhalte interaktiv dazustellen.

Zukünftig werden weitere Kooperationen angestrebt und die Leser weiterhin in die Themenauswahl des interaktiven Hintergrundmagazins „Der Kontext“ mit einbezogen.

Das interaktive Hintergrund Magazin „Der Kontext“ ist eine ganz neue Möglichkeit, Informationen zu konsumieren. Während in der Vergangenheit hauptsächlich die Möglichkeit bestand, Themen durch lineare Darstellungsformen zu verstehen, bietet die mehrdimensionale und interaktive Darstellungsform die Chance, ein Thema auf zahlreichen neuen Wegen zu entdecken. Nicht bei jedem Leser kann das gleiche Grund- bzw. Vorwissen vorausgesetzt werden. Bei diesem interaktiven Nachrichtenmagazin kann jeder Leser frei und individuell entscheiden, wie tief er sich in ein Thema einlesen und wie viel Zeit er aufbringen möchte.

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