Drohnentechnologie auf dem Vormarsch

Die Tage, an welchen unbemannte Flugobjekte lediglich für den militärischen Einsatz zum Töten per Knopfdruck eingesetzt wurden, sind gezählt. Der zivile Gebrauch von Drohnen steigt täglich. Große Global Player wie Amazon mischen den Markt gewaltig auf.

Wer hat sie nicht schon in der Luft schwirren sehen oder zumindest über die heimische Mattscheibe? Drohnen sind seit den letzten zwei, drei Jahren auch bei der Zivilbevölkerung richtig populär geworden.

Vor nicht allzu langer Zeit kannte man sie allenfalls aus Videos über kaltblütige Kriegsszenen, welche zur besten Sendezeit im Fernsehen oder auch Online zu sehen waren. Eine Mischung aus grau-schwarzen, unscharfen Umrissen. Meist war eine Explosion zu sehen. Digitalisierung und neuste Technologien haben auch vor Kampf- und Spionagedrohnen nicht Halt gemacht. Die Kriegsführung hat sich dadurch entscheidend verändert. Die Drohnenpiloten sind nicht mehr auf die Konfrontation im Nahkampf angewiesen, sondern können von kilometerweiter Entfernung per Knopfdruck über Leben und Tod entscheiden. Das ist eine surreale Vorstellung, die einerseits abstumpfend und andererseits traumatisch auf Drohnenpiloten wirken kann. Spitzenreiter beim Einsatz militärischer Drohnen ist die US-Luftwaffe, welche derzeit über rund 7000 Kampf- und Spionage Drohnen verfügt und diese unter anderem in Pakistan, Somalia und dem Jemen einsetzt. Einige davon sind in der Lage, Lasten über 1000 Kilogramm zu befördern – ausgestattet mit den neusten High-Tech Kamera-Systemen. Laut einem Bericht der Teal Group wird die US-Luftwaffe vor allem in die Entwicklung der „Predator“ Drohne investieren. Zudem wurden bereits unbemannte Kampfflugzeuge entwickelt, wie die Boeings X-45 Phantom Ray. Doch es gibt immer eine Kehrseite neuer Technologien. Der Kampf per Drohne hat schon mehr als hundert ziviler Todesopfer gefordert. Dies geht aus einem Bericht des US-Geheimdienstes hervor. Menschenrechtsorganisationen schätzen die Zahl noch viel höher ein.

Bilder aus der Vogelperspektive

Die Drohnen für den Privatgebrauch fangen hingegen grüne Wälder, gebirgige Landschaften und atemberaubende Impressionen von den faszinierendsten Ländern und Städten dieser Welt ein. Es werden zwei revolutionäre Technologien miteinander verknüpft. Die der Fotografie und Bildaufzeichnung und die der Drohnentechnologie. Die gängigsten Modelle dabei sind sogenannte Quadro-, Hexa- und Octocopter. Gesteuert werden die unbemannten Flugobjekte über Joypads oder im Zeitalter der Digitalisierung und Vernetzung  gar über das Smartphone mit entsprechenden Apps. Bei Drohnen der neuen Generation gibt es zahlreiche Funktionen, wie beispielsweise die „Return to Home“-Funktion.

„Technisch sind die Copter heute schon weit entwickelt. Funktionen wie Follow Me, Waypoints und POI werden in Verbindung mit mehr Sensoren in Zukunft noch ein größeres Thema sein.“

Daniel Hass, privater Drohnenpilot

Meist ist die Kamera fest mit der Drohne verbunden und liefert Bild- und Videomaterial in HD- und 4K-Qualität. Vor allem Drohnen aus dem High-End-Segment liefern brillante Aufnahmen, welche nicht verwackelt oder gar unscharf sind. Mit dem passenden Bildbearbeitungs- und Schnittprogramm kann Material in Fernseh- und Kinofilm-Qualität erstellt werden.

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Vatikan Rom, Fotograf: Nico Soica (Nutzung in den Calwer Notizen durch den Urheber gestattet)
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Schloss Lichtenstein, Fotograf: Nico Soica (Nutzung in den Calwer Notizen durch den Urheber gestattet)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Global Player auf dem Drohnenmarkt

Unbemannte Flugobjekte werden in Zukunft eine wichtige Rolle für die Wirtschaft spielen. Laut eines Berichts der Teal Group werden sich die jährlichen Ausgaben für die Drohnentechnologie in den kommenden zehn Jahren fast verdoppeln. Die Ausgaben im militärischen und kommerziellen Bereich sollen von aktuell 6,4 Milliarden Dollar auf 11,5 Milliarden Dollar anwachsen.

Vereinzelt werden Drohnen in Deutschland bereits von Polizei und Feuerwehr sowie von großen Industrieunternehmen und Logistik-Konzernen eingesetzt, wobei Letzteres momentan noch die größte Hürde ist: Paketversand mittels sogenannter Paketdrohnen. Noch ist das Zukunftsmusik, allein wegen rechtlichen Schranken und technischen und logistischen Schwierigkeiten. Jedoch hat das Unternehmen DHL bereits im Frühling diesen Jahres erfolgreich getestet, wie Drohnen Pakete mit Nahrungsmitteln und medizinischer Versorgung vom Tal in entlegene Gebirgsregionen liefern können. Auch der amerikanische Onlinehandelsgigant Amazon plant mit seiner überarbeiteten Prototypdrohne „Prime Air“ den Paketversand künftig auch aus der Luft zu bewerkstelligen. „Ich weiß, das sieht nach Science-Fiction aus“, so der Amazon-Chef Jeff Bezos: „Das ist es aber nicht.“ Amazon will eine Reihe von Modellen entwickeln, die sowohl in ländlichen, als auch in Stadtgebieten abheben und landen können. Jedoch wurden jüngst die Regelungen für Drohnenflüge in den USA verschärft. So dürfte es  erhebliche Schwierigkeiten bei der Durchsetzung des Paketversands, besonders in Stadtgebieten, geben. Auch in Deutschland ist in näherer Zukunft nicht zu erwarten, dass unbemannte Flugobjekte den Postboten ersetzen. Jedoch könnte einer Reihe anderer Projekte wie die Internet-Drohne „Aquila“ von Facebook unkomplizierter einsetzbar sein. Dieser Prototyp ist solarbetrieben und soll das Internet in entlegene Regionen bringen. Rund zehn Prozent der Weltbevölkerung verfügen gegenwärtig nicht über einen Internetzugang.

Trends der Zukunft

Wasserstoffbetriebene Drohnen können weitere Strecken zurücklegen als herkömmliche Modelle. Diese Technologie wird in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden. Auch solarbetriebene Modelle und deren Technologie werden verbessert werden. So wird es möglich sein, in kilometerweiter Höhe Drohnen über viele Monate hinweg ohne Zwischenlandung fliegen zu lassen. Erste Testflüge sind bereits erfolgreich absolviert worden. Zudem gibt es einige Drohnenmodelle aus dem 3-D Drucker. Dadurch ist es möglich, bei deutlich kürzeren Bauzeiten komplizierte Modelle in mehrfacher Ausführung herzustellen. Das wird vor allem für den militärischen Einsatz von Bedeutung sein. Der chinesische Hersteller Ehang hat im Januar auf der Messe CES in Las Vegas seinen Prototypen einer Taxidrohne vorgestellt. Die Zieleingabe erfolgt auf dem Tablet und die Drohne fliegt autonom von A nach B. Dieser Trend, wenn er sich durchsetzt, wird jedoch nur einer Minderheit vorbehalten sein. Die Anschaffungskosten fallen nämlich relativ hoch aus. Des Weiteren sind die Luftverkehrswege noch nicht genügend ausgebaut. Der Hersteller Ehang dachte daher auch eher an die Nutzung  im medizinischen Bereich, zum Beispiel für Krankenhäuser zum Transport Schwerverletzter.

In der Landwirtschaft, dem Klima- und Tierschutz, sowie zur Überprüfung von Brücken und schwer zugänglichen Gebäuden haben unbemannte Flugobjekte schon heute einen hohen ökonomischen Nutzen. Auch im Bereich anderer New Media Trends wird die Drohnentechnologie Einfluss ausüben. Doch ob mit wachsender Technologie und den verbundenen Möglichkeiten nicht auch das Risiko und die Gefahr wächst, bleibt abzuwarten. In jedem Fall müssen die rechtliche Grundlagen und Gesetze zur Drohnennutzung überprüft werden. Es muss sichergestellt sein, dass Personen nicht ungewollt abgelichtet oder ausspioniert werden. Das dürfte insbesondere auch für Personen des öffentlichen Lebens relevant sein. Sicher ist, dass in den nächsten fünf bis fünfzehn Jahren die Drohnentechnologie stetig weiterentwickelt wird. Es wird bessere Akkus und alternative Antriebssysteme, robustere Gehäuse und eine Vielzahl von  Gadgets für den Privatgebrauch geben. Sowohl im militärischen, zivilen und kommerziellen Gebrauch werden sich die Anwendungsbereiche ausweiten.

Ein Beitrag von Isabel Schlößer

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