Giraffisch – Die Sprache des Herzens

In dem Seminar „wertschätzende Kommunikation nach Rosenberg“ von Florian Gross, Kommunikationscoach aus Freiburg, wurde am 22. September 2016 den Studierenden des Masterkurses „Media Management and Public Communication, das Konzept der gewaltfreien Kommunikation nach Rosenberg (GFK) nähergebracht. 

Durch interaktive Spiele und dem Anwenden des Konzepts konnten die Studenten erfahren, welche Rolle die Kommunikation zur Vermeidung von Konflikten beiträgt.

Um die Stimmung innerhalb der Gruppe aufzulockern wurden zu Beginn einige Praxisspiele durchgeführt. Eines davon bildete das Perfomance Puzzel, eine Art Puzzle bestehend aus Holzleisten, welche zusammengesteckt ein bestimmtes Muster ergaben. Schnell hat sich gezeigt, dass nur als Team diese Aufgabe erfolgreich und schnell gelöst werden konnte. Ein Erfolgskriterium ist hier die Kommunikation. Entscheidend ist die Art und Weise, wie kommuniziert wird. Um Konflikte durch fehlgeleitete Kommunikation zu vermeiden, wurde den Studierenden das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation von Marshall B. Rosenberg nähergebracht.

Warum kommunizieren wir überhaupt?

Um das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation zu verstehen muss man hinterfragen, weshalb kommuniziert wird. Menschen kommunizieren, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Im Vordergrund steht dabei, die Bedürfnisse des anderen nicht zu beeinträchtige und gleichzeitig zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen oder aufrechtzuerhalten.

Gewalt und Kommunikation- wie passt das zusammen?

Marshall B. Rosenberg war als Kommunikationstrainer tätig und entwickelte das Konzept der Gewaltfreien Kommunikation (GFK). Seit Beginn der 70iger Jahre vermittelte er die Prinzipien dieses Konzepts an Eltern und Pädagogen, aber auch an Polizisten, Gefangene sowie politische Führer.

Marshall B. Rosenberg geht davon aus, dass hinter jedem aggressiven Verhalten ein unerfülltes Bedürfnis steckt. Daraus zieht er den Entschluss, dass fehlgeführte Kommunikation zu Konflikten führt.

„Alles, was in die GFK integriert wurde, ist schon seit Jahrhunderten bekannt. Es geht also darum, uns an etwas zu erinnern, das wir bereits kennen – nämlich daran, wie unsere zwischenmenschliche Kommunikation ursprünglich gedacht war.“ (Rosenberg)

Die Sprachen der Gewaltfreien Kommunikation

Rosenberg arbeitet in der Gewaltfreien Kommunikation mit zwei Sprachbildern. Dabei steht die Herrschaftssprache, die „Wolfssprache“, der einfühlsamen „Giraffensprache“ gegenüber.

Die Wolfsprache zeichnet sich durch Aggressivität aus und löst gegenseitige Aggressionen aus und verhindert hierdurch das eigentliche Ziel der Kommunikation: Bedürfnisse zu befriedigen und zwischenmenschliche Bindungen zu stärken. Wer in der Wolfssprache kommuniziert, stößt auf Ablehnung und erhält oftmals einen Gegenangriff. Diese fehlgeleitete Art der Kommunikation setzt den Fokus auf das, was der „Gesprächsgegner“ falsch macht und bewertet den anderen stets negativ. Menschen schreiben ihre Unzufriedenheit dem Handeln des Anderen zu und drücken diese mit Vorwürfen, Kritik und Drohungen aus. Darauf reagiert der Gegenpart entweder mit einem Gegenangriff, Beleidigungen oder einem Rückzug. Dieses Spiel von Aktion und Reaktion wird immer im Streit enden.

Die Sprache des Herzens – das ist die Sprache der Giraffen. Und weshalb man Giraffen gewählt hat als Symbol der rücksichtsvolleren Sprache, ist einleuchtend – große Tiere haben auch besonders große Herzen. Die Sprache zielt darauf, seinen Gegenüber zu erreichen und die zwischenmenschliche Beziehung zu stärken und aufrecht zu erhalten.

Im Zentrum der gewaltfreien Kommunikation stehen die eigenen Bedürfnisse. Auf Bewertungen, Beschuldigungen oder gar Kritik gegenüber des anderen wird ganz verzichtet.

Die 4-Stufen der Gewaltfreien Kommunikation

  1. „Beobachtung   – ohne zu urteilen“
  2. „Gefühle            – ohne zu interpretieren“
  3. „Bedürfnisse     – bereichern unser Leben“
  4. „Bitten                – ohne zu Fordern“

In der Theorie wirken diese Stufen statisch, in der Praxis hingegen bilden sie fließende Übergänge. Jeder Schritt bildet die Grundvoraussetzung für den nächsten, weshalb jede einzelne Stufe gleich wichtig in ihrer Umsetzung ist.

Die Beobachtung (1) bildet die Grundvoraussetzung für die Gewaltfreie Kommunikation und ist die Ausganglage für alle weiteren Schritte. Deutungen und Beurteilungen haben in dieser Phase nichts zu suchen. Hier wird allein die Situation durch eine bewusste Formulierung wiedergegeben.

Im darauffolgenden Schritt äußert man sich über die eigenen Gefühle (2), ohne diese zu interpretieren. Es muss darauf geachtet werden, Pseudogefühle nicht mit wahren Gefühlen zu verwechseln. Um diese Unterscheidung vornehmen zu können, bedarf es der Übung. An zahlreichen Äußerungen über Gefühle haben die Studierenden selbst üben können, ob sie ein echtes Gefühl von einem Pseudogefühl unterscheiden können. Unbewusst werden bei Pseudogefühlen Bewertungen in die Aussage gemischt, da diese immer von außen beeinflussbar sind, wodurch die Kommunikation fehlgeleitet wird. Diese lösen bei dem Kommunikationspartner Ablehnung oder einen Gegenangriff aus.

Der dritte Schritt hat für die Studierenden die größte Herausforderung dargestellt. In diesem geht es darum, den inneren Antrieb, das Bedürfnis (3) das erfüllt werden soll, zu formulieren. Man selbst muss das Bedürfnis erkennen und es sich selbst und auch dem Gegenüber mitteilen. Bedürfnisse müssen universell und positiv formuliert werden. Beispielsweise ist ein typischer Auslöser für einen Streit wegen Unordnung, das unerfüllte Bedürfnis von Hygiene und Ordnung.

Im vierten und letzte Schritt geht es darum die Bitte (4), wie das Bedürfnis zukünftig befriedigt werden kann, zu formulieren. Bei der Formulierung muss darauf geachtet werden, dass diese im Hier und Jetzt erfüllbar ist und zusätzlich handlungsaktivierend ist. Hierbei muss ein „Nein“ als Antwort ebenfalls akzeptiert werden.

Gewaltfreie Kommunikation im Alltag

Die Erfahrung zeigt, dass theoretisch vieles einfacher ist als in der Praxis. Um die Gewaltfreie Kommunikation umsetzten zu können, benötigt man viel Übung und Erfahrung. Auch nicht jeder Konflikt muss nach dem 4 Stufen-Modell von Rosenberg gelöst werden. Für die Lösung von Konflikten gibt es kein allgemeines Universalrezept. Viel wichtiger ist es, sich selbst stets über die eigenen Bedürfnisse und Wünsche im Klaren zu sein und sich zu trauen, diese auch zu formulieren.

Sicherheitshinweis: Bei den Calwer Notizen handelt es sich um ein studentisches Weblog. Falls Ihnen Fehler oder Verstöße auffallen, setzen Sie sich zwecks Behebung bitte mit uns in Verbindung.

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