Hermann Hesse: „Briefe an Freunde“

Die Briefe von Hermann Hesse an das arbeitende Volk dienten als Wegweiser zu deren Selbstfindung.

Hermann Hesse (1877 -1962): ein Schriftsteller, Dichter, Kritiker und Autor der Krise. In der historischen Calwer Innenstadt, welches von einem Meer aus Bäumen umgeben ist, wurde Hermann Hesse am 02. Juli 1877 geboren. In der kleinen Stadt an der Nagold verbrachte er viele seiner Lebensjahre, die seine Schriftstücke und Persönlichkeit bedeutend prägten. Der Autor zählt noch heute weltweit zu den am häufigsten gelesenen, deutschsprachigen Schriftstellern.

Vom widerspenstigen, sensiblen Jungen zum Pazifisten und Schriftsteller

Bereits mit 15 Jahren durchlebte Hermann Hesse seine erste Lebenskrise. Er unternahm nach der Einweisung in eine Privatheilanstalt einen Selbstmordversuch und wurde mit der Diagnose Melancholie vier Monate in eine Heil- und Pflegeanstalt eingewiesen. Als Erwachsener durchlebte er erneut die Tiefen des Lebens. Der erste Weltkrieg, der Verlust seines Vaters, die psychische Erkrankung seiner Frau und die Krankheit seines ersten Sohnes führten zu schweren Depressionen. Seine psychoanalytische Behandlung in einer Privatklinik in Luzern brachten dann die Wende. Das Werk Demian entstand und verhalf dem Dichter sich selbst zu finden.

Hermann-Hesse

Hermann Hesse war stets auf der Suche nach seiner eigenen, wirklichen Identität und verarbeitete seine Selbstfindung beim Schreiben seiner Werke. In seinen Schriften schrieb der Nobelpreisträger über Religion, Politik und verarbeitete seine über das Leben hinweg erlebten Krisen. Seine Werke sind Seelenbiografien, führen zur Selbstbefragung, sollten beraten, bereits Vergessenes in Erinnerung rufen und den Blick für Neues öffnen.

Hermann Hesse sprach Probleme an, mit welchen sich auch Gruppen aus der Bevölkerung identifizierten. Anstatt anderen Kulturen aber ein christliches Weltbild aufzuzwingen, nutzte Hermann Hesse das damals zuverlässigste Medium der Kommunikation, den Brief, um auf seine zahlreichen Zuschriften aus aller Welt zu antworten. Insgesamt nahm Hesse in seinen rund 35.000 geschriebenen Briefen Stellung zu allen Problemen, die das Leben mit sich brachte, seien es zwischenmenschliche, politische oder religiöse. Als die Zuschriften aber nicht weniger wurden und die Zeit und Kraft für individuelle Antworten nicht ausreichte, nutzte Hermann Hesse den Privatdruck. Kleine liebevolle „Broschüren“ für häufig gestellte Fragen entstanden und wurden den, mit der Zeit kürzer werdenden persönlichen Antworten, beigelegt.

Geistige und moralische Beratung

Hesse nutzte sein Vertrauen in die Macht des Wortes auch beim Schreiben seiner Briefe. Pflichtbewusst bestärkte er einzelne Empfänger, zeigte ihnen den Sinn ihres Lebens auf, wenn sie diesen verloren haben. Doch wie schaffte es Hermann Hesse, welcher zuvor selbst Selbstmordgedanken hegte, Menschen ein Wegweiser und Berater zu sein? Er schrieb stets aus einem tiefen Bedürfnis über das selbst Erlebte und war vermutlich deshalb gerade für die Lebensmüden unter uns so vertraut.

„Ich habe durch meine Schriften zuweilen jungen Lesern dazu gedient, bis dahin zu kommen, wo das Chaos beginnt, das heißt, wo sie allein und ohne helfende Konventionen dem Rätsel des Lebens gegenüberstehen. Für die Meisten ist schon das eine Gefahr, und die Meisten kehren denn auch wieder um und suchen neue Anschlüsse und Bindungen. Die sehr Wenigen, die es treibt, ins Chaos einzutreten und die Hölle unserer Zeit bewußt zu erleben, die tun es ohne >>Führer<<. Meine Bücher führen den Leser, wenn er willig ist, bis dahin, wo er hinter den Idealen und Moralen unserer Zeit das Chaos sieht.“ – Hermann Hesse, Suhrkamp Verlag

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