Volle Fahrt voraus in die digitale Welt

InCar Entertainment: Mein Fahrzeug und ich. Das perfekte Zusammenspiel aus Konnektivität, Unterhaltung und Fortbewegung.

Unsere Welt wird immer vernetzter: Alles kann per Smartphone abgerufen, übermittelt und bestellt werden. Ein Komfort, auf den viele auch im Auto nicht verzichten möchten.

Die Automobilindustrie steht vor einer großen Veränderung, denn die Digitalisierung macht auch vor dieser Branche keinen Halt. Das hat die rasante Entwicklung in den letzten Jahren gezeigt: Wie eine Umfrage der Management- und Technologieberatung BearingPoint zeigt, achten Deutsche Autofahrer vermehrt auf die Vernetzung ihres Fahrzeugs. 47 Prozent aller potenziellen Käufer setzen bei ihrem nächsten Fahrzeug mobile Online-Dienste wie Verkehrsinformationen oder Entertainmentangebote voraus.

Das Öffnen der Fahrzeugtüre soll zukünftig das Tor in die digitale Welt sein. Der Anspruch dabei: die Mobilität neu zu erfinden. Das Produkt „Automobil“ wird dabei zunehmend zu einem „digitalen Gut“ und verstärkt zu einem Serviceprodukt. Diese Veränderung stellt die Automobilindustrie vor neue Herausforderungen. Zugleich bietet der Wandel die Chance, Innovationen voranzutreiben.

Die Vernetzung mit der digitalen Welt umfasst heute Funktionen, die vor einigen Jahren selbst in der Luxusklasse undenkbar waren. Zum Beispiel im Stau: Stuttgarter verbringen durchschnittlich bis zu 73 Stunden im Jahr darin. Vernetzte Fahrzeuge – Connected Cars – bieten dem staugeplagten Autofahrer hier viele Vorteile. So kann er telefonieren, E-Mails schreiben, aktuelle Staumeldungen via Internet im Fahrzeug abrufen, den aktuellen Status in verschiedenen sozialen Netzwerken aktualisieren oder die Wettervorhersage für den nächsten Tag prüfen.

Für die Integration von Smartphones in das Infotainmentsystems eines Pkws gibt es drei Methoden: das von Apple entwickelte Programm „Carplay“ für die Einbindung eines iPhone, „Android Auto“ von Google und „Mirrorlink“ für die Einbindung von Android Smartphones. Die Automobilhersteller BMW und Mercedes-Benz setzen auf die eigenen Infotainmentsysteme ConnectedDrive und COMAND Online und bieten zusätzlich Carplay und Android Auto in verschiedenen Modellreihen an.

Im Kampf gegen die Vorherrschaft in der Automobilbranche mischen neben den deutschen Herstellern immer mehr ausländische Hersteller mit. Laut einer Statista-Studie sind die USA aktuell globale Marktführer im Bereich Connected Cars. Deutschland liegt hinter China und Japan auf Platz vier. Der kalifornische Elektroautohersteller Tesla fordert die deutschen Hersteller durch Innovationen im Bereich Unterhaltungswert und Benutzerfreundlichkeit des Infotainmentsystems dabei besonders heraus.

Das Fahrzeug als digitaler Lebensraum zwischen dem Zuhause und dem Büro

Das Auto wird in den nächsten Jahren zu einem Begleiter, der alles kann, was nicht verboten ist:

„Unser Fahrzeug wird zu unserem persönlichen Assistenten, der unseren Terminkalender ständig dabei hat und uns beispielsweise an Geburtstage oder Arzttermine erinnert“, so die Einschätzung von Benjamin Oberkersch, Pressesprecher Vernetztes Fahrzeug und Infotainment der Daimler AG.

Die Vernetzung der Fahrzeuge verändert den Wettbewerb der Automobilhersteller zunehmend. Nun konkurrieren nicht nur die Hersteller untereinander, sondern neue Wettbewerber aus der IT-Branche kommen hinzu. Internetgrößen wie Google und Apple setzen immer mehr auf Connected Cars und die dazugehörigen Technologien. Dabei haben Sie einen erheblichen Vorteil: Die Konkurrenten kennen sich mit der Verknüpfung von Daten und der Vernetzung mit Anwendungen bestens aus. Genau diese Daten sind der Schlüssel der automobilen Zukunft, denn nur damit kann ein Connected Car den Menschen das Leben erleichtern.

Wer sich vor ungefähr zehn Jahren noch für das Mobiltelefon von Nokia entschieden hat, bevorzugt 2016 bereits das Betriebssystem „Android“ oder „iOS“. Ähnlich wird sich die Entwicklung in der Automobilbranche zeigen. Die Wertschöpfung verschiebt sich von der Hardware hin zur Software und den Serviceangeboten. Um der Transformation vom Produkt zur Serviceleistung standzuhalten, müssen die Fahrzeughersteller neue flexible Geschäftsmodelle entwickeln oder das bestehende ausbauen. Digitale Dienste können beispielsweise mittels Abonnements oder monatlicher Ratenzahlung angeboten werden.

Wie eine Studie des Elektroautoportals Ecomento zeigt, wird das Auto als Statussymbol zunehmend an Wert verlieren. Der Zugang zur Mobilität, die Personalisierung und die Sicherheit hingegen werden umso gefragter sein. Kunden erwarten personalisierte Dienste, die mit anderen Branchen wie beispielsweise dem Einzelhandel oder Versicherungen verknüpft sind.

„Guten Morgen Franzi“ erscheint es auf dem Dashboard, als Franzi die Fahrertüre öffnet. Die Sitzeinstellung wird automatisch vorgenommen, Franzis Musikvorliebe wird ausgewählt und Ihre bevorzugte Innentemperatur ist bereits eingestellt. Das Fahrzeug liest die Wettervorhersage für den Zielort vor und aktualisiert Franzis Status in sozialen Netzwerken. Franzi möchte heute noch die neue Folge Ihrer Lieblingsserie schauen? Kein Problem, das vernetzte Fahrzeug passt die vorhergesehene Strecke an die Dauer der Serie an.

Das Beispiel von Franzi verdeutlicht, wie das personalisierte Fahrzeug in wenigen Jahren aussehen könnte. Im Zuge des autonomen Fahrens muss der Fahrer sich nicht mehr selbst auf die Straße konzentrieren, sondern gewinnt wertvolle Zeit, die er sinnvoll nutzen möchte. Video-Konferenzen während der Fahrt halten, Präsentation im Fahrzeug abspielen, New Yorks Skyline erblicken, während das Fahrzeug durch einsame Ortschaften fährt – all das sind Innovation, die sich entwickeln und etablieren werden. Das autonome Fahrzeug kann zugleich als Zeitmaschine dienen, die es möglich macht, den Stuttgarter Schloßplatz aus Sicht vor 20 Jahren zu betrachten. Der Fahrer kann sich über Sehenswürdigkeiten informieren oder die Stadt aus einer anderen Perspektive, z.B. von oben, betrachten. Der Innenraum des Fahrzeugs wird zukünftig zu einer Bild- und Informationsquelle umgestaltet. Es wird nicht mehr darum gehen, die schnellste Route zum Zielort zu finden, sondern viel mehr das breite Spektrum an Multimediasystemen zu genießen.

Eine Befragung von Deloitte zeigt, dass die verschiedenen Generationen unterschiedliche Anforderungen bezüglich der Zahlungsbereitschaft für Connected Car Services haben. Die Generation Y (18-30 Jährige) ist bereit, 55 Euro monatlich für vernetzte Fahrzeugdienste zu bezahlen. Die ältere Generation hingegen möchte nur bis zu 29 Euro monatlich für diese Angebote ausgeben. Diese Dienste müssen also individuell angepasst werden. Es ist davon auszugehen, dass die Generation Y besonders Gebraucht- anstatt Neuwagen kauft. Daher ist es wichtig, dass die Dienste für ältere Fahrzeuge nachrüstbar sind.

Zukunft nachrüsten, Konnektivität erleben

Ein aktuelles Beispiel von Mercedes-Benz zeigt, dass dieser Trend bereits erkannt wurde. Der Fahrzeughersteller hat einen Adapter entwickelt, der es verschiedenen Fahrzeugbaureihen ab 2002 ermöglicht, digitale Dienste zu nutzen. Der „Mercedes me Adapter“ sendet während der Fahrt via Bluetooth Daten an die „Mercedes me App“ auf das Smartphone, wodurch viele hilfreiche Dienste, die den automobilen Alltag erleichtern, genutzt werden können. Informationen über den Tankfüllstand oder den Reifendruck abrufen, eine Fahrtenliste erstellen, den Standort beim Parken abrufen oder den nächsten Service-Partner am Wunschort finden – all das und vieles mehr sind Funktionen, die über die App genutzt werden können.

„Der Adapter bietet eine neue Chance für das After-Sales Service-Geschäft, den Markt für Gebrauchtwagen zu erschließen, bestehende Kunden zu halten, unbekannte Kunden zu gewinnen und verlorene Kunden zurück zu gewinnen. Fahrzeugdaten, um deren Besitz ein harter Wettbewerb geführt wird, können Dank des Adapters zurückerobert werden“, erklärt Markus Zeller, Leiter Marketing Kommunikation Mercedes-Benz After-Sales.

Der Anspruch an die Automobilhersteller lautet, einen „Third Place“-Lebensraum zu schaffen, der den Menschen in unserer hektischen Welt Zeit zurückgibt, in welcher der Fahrer modernen Luxus genießen kann. Welche Hersteller sich zukünftig etablieren werden und wie sich InCar Entertainment weiterentwickelt, wird die Zukunft zeigen. Eines ist klar: Eigenschaften wie persönlicher, schneller, individueller, sicherer werden maßgeblichen Einfluss haben. Dauerhafte Vernetzung ist jedoch erst dann real, wenn Konnektivität nicht mehr nur als Sonderausstattung gesehen wird.

Ein Beitrag von Anna-Lena Kapp (MuK0514)

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