Social Media und der Islamische Staat

Der Messenger-Dienst „Telegram“ ist der Hauptkommunikationskanal des Islamischen Staates.

Der Islamische Staat (IS) ist eine terroristisch motivierte Organisation, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand. Über 20.000 Mitglieder sollen dem IS angehören, die Dunkelziffer dürfte weitaus höher sein. Unter ihren Mitgliedern sind bis zu 800 deutsche Männer und Frauen, von denen viele bereit sind, ihr Leben für den IS zu opfern. Die Führung hat als Ziel ausgerufen, die westliche Kultur zu zerstören und ein weltweites Kalifat zu errichten.

Zu etwa 572 Personen, die aus Deutschland nach Syrien ausgereist sind, liegen den deutschen Sicherheitsbehörden Informationen über Radikalisierungsfaktoren vor. Etwa 44% der Befragten geben an, dass sie hauptsächlich durch das Internet radikalisiert worden sind. Als problematisch erweist sich, dass in dieser Umfrage das Internet nicht differenziert dargestellt wurde, so der Medienwissenschaftler und Terrorismus- Experte Dr. Bernd Zywietz von der Universität Mainz. Man müsse das Internet weiter kategorisieren, zum Beispiel in Websites, Internetforen, Soziale Netzwerke und seit neuestem auch in Messenger-Dienste wie WhatsApp und Telegram.

Foren und Websites dienten zu Beginn der Internetaktivitäten des Islamischen Staates als Treffpunkt zum Austausch von Informationen und zur Verbreitung ihrer Propaganda. Allerdings waren diese für Sicherheitsbehörden frei zugänglich und aus diesem Grund verlagerte sich die Islamistenszene in geschlossene Gruppen in sozialen Netzwerken wie Twitter, Facebook & Co. Bis zu 90.000 Propaganda-Kanäle hat der Islamische Staat anfangs auf Twitter betrieben. Die Sozialen Netzwerke mussten auf diese Ausmaße reagieren und kamen dadurch mit ihrem Leitbild in Konflikt. Einerseits wollen die Unternehmen keine radikale Zensur betreiben und die Meinungsfreiheit einschränken, andererseits keine radikale Propaganda auf ihrer Plattform zulassen. Erst durch den Druck der Öffentlichkeit und der Deutschen Bundesregierung, insbesondere durch den Bundesjustizminister Heiko Maas, begannen Twitter und Facebook mit Taskforces, Posts des IS und ihren Anhängern zu löschen.

Daraufhin reagierte der Islamische Staat und suchte sich neue, alternative Kommunikationsmöglichkeiten. Der aktuelle Hauptkommunikationskanal des IS ist offensichtlich der Messenger-Dienst Telegram. Ein wesentlicher Unterschied zu Facebook, Twitter & Co. besteht darin, dass gezielt Menschen angesprochen und ihnen auf diesem Weg detaillierte Instruktionen mitgeteilt werden können.

So sind zum Beispiel sogenannte geheime Chats möglich, die eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bieten. Zusätzlich bietet Telegram quasi eine „Selbstzerstörungsfunktion“ an, mit der man die Haltbarkeit einer Nachricht begrenzen kann, so dass sie nach Ablauf unwiderruflich gelöscht wird. Derlei Funktionen machen es für Sicherheitsbehörden aller Länder nahezu unmöglich, Zugriff auf Nachrichten zu erlangen. Da Sicherheitsbehörden keinen Zugriff auf die Kanäle bzw. Chats besitzen, musste Telegram reagieren und hat begonnen Chats zu sperren. So wurden Ende 2015 in nur einer Woche 78 Chats in 12 Sprachen gesperrt.

„Dennoch ist Twitter immer noch einflussreich, wenn es darum geht, schnell an einen großen Personenkreis Informationen zu verbreiten und sich selbst darzustellen“ sagt Terrorismus-Experte Dr. Bernd Zywietz.

In der Anfangsphase des IS war das Ziel der Social Media Aktivitäten, junge, Propaganda-anfällige Männer und Frauen zu radikalisieren und im zweiten Schritt für den Kampf in Syrien zu rekrutieren. Inzwischen hat sich die Lage in Syrien für den IS aber deutlich verschlechtert. Deshalb fordert der IS seine Anhänger nun auf, sie nicht mehr in den Krisengebieten zu unterstützen, sondern Anschläge in ihren Heimatländern durchzuführen.

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