„Martin Luther würde heute Facebook nutzen“

Im Interview mit den Master Studenten der SRH Hochschule Calw spricht der evangelische Stadtpfarrer Dieter Raschko (57) über Martin Luther und seine Auswirkung in der heutigen Zeit.

Herr Pfarrer Raschko, hätte Ihrer Meinung nach Martin Luther heute eine Facebook-Seite gehabt, um seine Thesen an die Gesellschaft zu vermitteln?

Garantiert (lacht). Nicht nur Facebook, sondern auch Twitter und Whats-App. Er würde alles verwenden, was zur Verfügung steht. Schon zum damaligen Zeitpunkt nutzte Luther mit dem Buchdruck das modernste Medium. Bis dahin wurden Nachrichten mit der Geschwindigkeit eines Pferdes transportiert.

Der Reformationstag wird im nächsten Jahr zum 500-jährigen Jubiläum ein deutschlandweiter Feiertag. Wieso ist dieser auch für Katholiken wichtig?

Sie dürfen sich zumindest über einen freien Tag freuen. Aber auch die Katholiken haben Grund zu Feiern. Viele sind der Meinung, dass nichts Besseres als die Reformation hätte passieren können. Denn auch die katholische Kirche hat sich verändert.

Bräuchte es auch heute jemanden wie Luther? Gerade im Hinblick auf die religiöse Radikalisierung?

Ganz ehrlich, manchmal denke ich mir: Schafft alle Religionen ab. Aber das geht natürlich nicht, denn Menschen brauchen Religion. Aber sobald eine Religion so mächtig wird, dass sie Einfluss erhält auf Staat und Gesellschaft, wird es ungesund. Dann entstehen schnell Allmachtswünsche, dann kommen Menschen an die Spitze, die ihren Einfluss missbrauchen. Theologisch gesehen wollte Jesus nie eine mächtige Kirche.

Wäre die evangelische Kirche also erneut zu Veränderungen bereit?

Kirche ist nur dann Kirche, wenn Sie sich ständig reformiert. Wir sind von unten nach oben aufgebaut. Darum ist unsere Kirche immer offen für Veränderungen.

Ein Interview von Serena Pardo, Sophia Obermaier, Franziska Scherer und Fabian Marquardt.

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