Onlinehandel: Es geht um die Wurst

Die Zukunft der Lebensmittel

In Deutschland sind Lebensmittel die am häufigsten verkaufte Produktgruppe. Trotzdem hat sie noch keinen vollständigen Einzug in die digitale Welt gefunden. Während es völlig selbstverständlich ist, Kleider, Bücher, Eintrittskarten für Events oder Urlaubsreisen über den virtuellen Warenkorb zu bestellen, wandern Tomaten, Eier, Milch und Co. momentan noch bevorzugt in den realen Einkaufskorb.

Werden in der Zukunft Scharen von surrenden Drohnen Lebensmittel, die wir zuvor per Mausklick geordert haben, zuverlässig und schnell nach Hause liefern? Gehört gar eine fest installierte Kühlbox neben den klassischen Briefkästen zum zukünftigen Stadtbild? Dies sind mögliche Aussichten. Doch zurzeit hinkt der Bereich des Lebensmittel-Onlinehandels anderen Branchen deutlich hinterher. Aufgrund des hohen Preisdrucks, der im deutschen Einzelhandel herrscht, haben Händler in den vergangenen Jahren ihre Preise häufig gesenkt, anstatt die Differenzierungsmerkmale und den Service insbesondere im Onlinehandel weiterzuentwickeln.

Die Studie „Cross Channel – Revolution im Lebensmittelhandel“ der Wirtschaftsprüfgesellschaft Ernst & Young  prognostiziert einen gewaltigen Boom im Handel mit Lebensmitteln im Netz: Bis 2020 soll der jährliche Onlinumsatz auf 20 Milliarden Euro ansteigen.

Die potenziellen Käufer sind zum einen gourmet-begeisterte Kunden, die das Besondere lieben und auf Spezialitäten aus sind, die es nicht überall zu kaufen gibt.  Zum anderen aber auch Familien mit wenig Zeit, insbesondere wenn beide Elternteile berufstätig sind, sowie ältere Menschen, welchen so der Aufwand und die Angst vor dem Einkauf genommen werden kann.

Besonders zu beachten beim Onlineeinkauf von Lebensmitteln ist, dass Kunden den Onlinehändlern Schwächen nur schwer verzeihen. Die Optimierung von Kaufprozess und Service sind daher unabdingbar. Häufig sind Kunden Onlinehändlern gegenüber weniger verbunden und loyal. Zwischen den verschiedenen Anbietern zu vergleichen und zu wechseln, liegt auf der Hand.

Der Markt der sogenannten Online-Vollsortimenter lässt sich in drei Gruppen aufteilen: Rewe und Edeka gehören beispielsweise in die Gruppe der Lebensmitteleinzelhändler, die bereits aus dem stationären Handel bekannt sind und sich mit dem  E-Commerce einen neuen Vertriebsweg erschlossen haben. 
Die zweite Gruppe umfasst Anbieter mit einem reinen Online-Geschäftsmodell, sogenannte Online-Pure-Player. 
Die Logistikexperten DHL und Amazon bilden die dritte Gruppe. Sie haben einen Online-Supermarkt zusätzlich zu ihrem bestehenden Logistik- und Versandnetz aufgebaut.

Um das eigene Geschäftsmodell effektiv zu etablieren, müssen ein Mehrwert für den Konsumenten und eine attraktive Gewinnspanne für die Unternehmen gewährleistet sein. Die Basis für unternehmerischen Erfolg umfasst drei Aspekte. Das Unternehmen muss das Potential sehen, in seinem Bereich Marktführer zu werden. Dafür müssen maximale Leidenschaft sein Tun und Handeln bestimmen. Und schließlich müssen dessen Kunden bereit sein, für die Unternehmensleistung Geld zu bezahlen.

Im Hinblick auf die Entscheidung zum Onlineeinkauf spielen finanzielle und zeitliche Kriterien eine große Rolle. Zudem kann durch besondere Angebote und Qualität ein Mehrwert geschaffen werden. 
Das Verkaufserlebnis und zusätzlicher Service bieten weitere Chancen. Die Möglichkeit, den Kunden über Content einen deutlichen Zusatznutzen anbieten zu können, ist vielversprechend. Beispielsweise können standardisierte Warenkörbe mit individueller Anpassungsmöglichkeit erstellt werden. Außerdem kann ein Anbieter auf Basis der Kaufhistorie, der Anzahl der Personen, ihrem Alter und ihrem Geschlecht Produktempfehlungen abgeben. Durch Berechnung des durchschnittlichen Verbrauchs kann so ein ganzer Warenkorb automatisch zusammengestellt werden. Für einzelne Rezepte und Menüvorschläge wandern alle Zutaten direkt per Mausklick in den Warenkorb.

Die Wahl des richtigen Service-Modells – Lieferung oder Selbstabholung –, die Preisstrategie sowie die Kommissionierung sind wichtige Kriterien für die Entscheidung zum Online-Lebensmittelkauf. Außerdem ist gutes Marketing ist für den Erfolg von großer Bedeutung. Viele Verbraucher sind momentan zufrieden mit dem Status Quo. Viele wissen zwar bereits, dass die Möglichkeit besteht, Lebensmittel online zu bestellen, kennen aber nicht die Vorteile, die sich dadurch eröffnen. Der Zusatznutzen muss daher erst noch überzeugend dargestellt werden.

Der moderne Mensch bewegt sich intuitiv online, offline oder mobil und nutzt den Channel, der seine Wünsche und Bedürfnisse im Moment am besten abdeckt. Die Zukunft des vieler Bereiche wie auch des Lebensmittelhandels liegt daher im Cross Channel. Da Kunden jedoch nicht in Kanälen denken, sondern einfach den jeweils Naheliegenden nutzen, lässt sich die Kundenzufriedenheit durch eine ständige Erreichbarkeit erhöhen. Dies hat auch den Vorteil, dass Käufer  über mehrere Kanäle an das Unternehmen gebunden und das Kaufpotenzial somit am besten abgeschöpft werden kann. Wer diesen Trend verschläft, ist nicht am Puls der Zeit. Der Erfolg hängt maßgeblich davon ab, wie gut der Händler die Gewohnheiten und Wünsche seiner Kunden kennt und bedient. Es geht somit nicht nur für den Konsumenten, sondern auch für den Unternehmer um die Wurst.

Ein Beitrag von Julia Kübler (MuK0514)

Sicherheitshinweis: Bei den Calwer Notizen handelt es sich um ein studentisches Weblog. Falls Ihnen Fehler oder Verstöße auffallen, setzen Sie sich zwecks Behebung bitte mit uns in Verbindung.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*