Ostern 2.0 – „Die Ostergeschichte bei Whatsapp“

Schon länger überlegte sich der Social-Media-Experte Jens Albers, wie Whatsapp als Kommunikationskanal für das Bistum Essen genutzt werden konnte. Dann kam Ostern 2015 und eine Idee wurde geboren: „Die Ostergeschichte bei Whatsapp“.

„Haben die überhaupt schon Computer?“ Diese Frage bekam Jens Albers öfters zu hören, als er seine Idee präsentierte, die Ostergeschichte über Whatsapp zu erzählen. Kirche und Whatsapp, diese Verbindung schien vielen Menschen nicht möglich. Bis es Ostern wurde.

Aber der Reihe nach. Als Albers Personen auf der Straße befragte, was Ostern eigentlich bedeute, antworteten viele, dass dann der Osterhase die Ostereier verteilt. „Verdammt, unsere Kernbotschaft scheint nicht bekannt zu sein“, so Albers: „Ich glaube, wir haben ein Problem.“ Er wollte wieder die christliche Ostergeschichte ins Gedächtnis rufen und gleichzeitig erreichen, dass sich Menschen wieder mit der Thematik auseinandersetzen. Die Messenger-App Whatsapp war für diese Zwecke wie geschaffen. Durch die Multimedia-Funktionen der App können nicht nur Texte weitergeleitet werden, man ist zudem immer erreichbar und Kommunikation ist in Echtzeit möglich. Noch wichtiger ist jedoch, dass Whatsapp-Nachrichten deutlich persönlicher sind als vergleichbare Kommunikationsmittel und die Kirche so in engen Kontakt mit den Usern kommen könnte.

Um 5:13 Uhr klingelt das Smartphone

Die Besonderheit der Erzählweise ist die zeitliche Strukturierung. Ereignisse der Ostergeschichte werden zur gleichen Uhrzeit verbreitet, wie sie vor etwa 2000 Jahren stattfanden und in der Bibel überliefert wurden. So kann es schon mal vorkommen, dass um 5:13 Uhr das Smartphone klingelt: Der Hahn hat gekräht. Die originalen Bibelstellen wurden zeitlich aufgelistet und für Whatsapp-Nachrichten gekürzt und optimiert. Neben Texten wurden auch Bilder verbreitet, um die Geschichte noch lebendiger zu erzählen.

Doch wer waren die User, die diese Nachrichten täglich empfangen hatten? Anfangs ging Albers noch von wenigen hundert Usern aus. Das Ganze sollte eher ein Test werden, dann kamen aber immer mehr Interessenten hinzu, die sich mit ihrer Handynummer für das Projekt anmeldeten. Es wurden schließlich so viele, dass ein Programmierer beauftragt werden musste ein Programm zu schreiben, um alle neuen Kontakte hinzuzufügen, da dies von Hand einfach nicht mehr möglich war.

Whatsapp sperrte Kirche für 8 Stunden

„Whatsapp hatte uns gesperrt“, so Albers. Das automatisierte Programm habe zu viele Nachrichten in einem bestimmten Zeitraum gesendet und gelesen, der Zugang zur App wurde deshalb für acht Stunden gesperrt: „So schnell kann nämlich kein Mensch die Nachrichten öffnen“. Zu diesem Zeitpunkt war Whatsapp noch nicht als Business-Lösung gedacht und war noch weniger zum Massenversand von Nachrichten ausgelegt. Mit einer starken Reduzierung der Arbeitsgeschwindigkeit des Programms wurde dieses technische Problem jedoch umgangen und die Nachrichten konnten letztendlich wie gewünscht gesendet werden.

Der Versand über Whatsapp stellte zudem noch ein weiteres technisches Problem dar: So können Massen-Nachrichten generell nur über sogenannte Broadcast-Listen und dann auch nur eine geringe Anzahl von 256 Kontakten gesendet werden. Ergebnis: Es mussten mehr als 30 solcher Broadcast-Listen angelegt und gemanagt werden. Damit keine Broadcast-Liste vergessen wird musste noch händisch auf Papier abgehakt werden. Trotz des hohen Aufwands: Jeder der 6.500 Whatsapp-Empfänger hat die Nachrichten erhalten. Bei der auf sehr ähnliche Weise kommunizierten Weihnachtgeschichte wurde jedoch auf eine Business-Lösung der Augsburger Firma Whatsbroadcast zurückgegriffen, die dieselben Aufgaben relativ kostengünstig anbiete und sich Nachrichten vor allem auch planen lassen: „So muss niemand mehr um fünf aufstehen“.

Doch es gab ein großes Problem. „Am Karfreitag (Anm. d. Red.: Tag mit den meisten geplanten Nachrichten) ist das Handy abgeraucht“, erzählt Albers. Problem waren die über 40.000 gespeicherten Nachrichten in der App, die das Handy zum Absturz brachten. Als der Fehler gefunden wurde, konnte das Projekt jedoch fortgesetzt werden. Man solle deshalb darauf achten, dass immer Speicher auf dem Smartphone verfügbar ist und alte Nachrichten gelöscht werden, da Whatsapp diese standardmäßig einzeln auf dem Smartphone speichert.

Ostern bei Whatsapp – Eine Erfolgsgeschichte

Neben der Nominierung beim Onlinekommunikationspreis 2015 in der Kategorie „Kampagne von Verbänden und NGOs“ hat Albers vor allem eines erreicht: Die Kirche wird wieder mit anderen Augen gesehen und Menschen beschäftigten sich wieder mit der Ostergeschichte. Ebenso positiv: Als Albers die Empfänger aufforderte anonym den Service mit Schulnoten zu bewerten, bekam er bei 1800 Bewertungen 1800-mal die Note 1 gesendet, inklusive längerer Dankesschreiben. Kritiken gab es zwar vereinzelt auch, durch lockere Antworten wie „Danke für deine Rückmeldung“ auf ein plumpes „Fuck you“ wurden selbst Kritiker kleinlaut: „Entschuldigen Sie bitte die Antwort“. Der direkte Dialog ist nach der Meinung von Albers enorm wichtig und schlussfolgert deshalb: „Antworte, antworte, antworte …“.

Hat das Bistum Essen jetzt überhaupt schon Computer? Ja, sogar Smartphones! Und sie können damit besser umgehen als so mancher Großkonzern.

Sicherheitshinweis: Bei den Calwer Notizen handelt es sich um ein studentisches Weblog. Falls Ihnen Fehler oder Verstöße auffallen, setzen Sie sich zwecks Behebung bitte mit uns in Verbindung.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*