„Religion gehört zum Menschen“

Im Interview mit Studenten der SRH Hochschule Calw: Der evangelische Stadtpfarrer aus Calw, Dieter Raschko.

Die Bindung der Menschen an die Kirche nimmt immer mehr ab. Wie erleben Sie als Gemeindepfarrer diese Entwicklung?

In der Tat wenden sich immer Menschen von kirchlichen Traditionen ab. In Ballungsräumen schreitet diese Entwicklung noch viel schneller voran. Immer weniger Menschen praktizieren den christlichen Glauben.

Zwei Drittel der Bevölkerung will den Religionsunterricht an Schulen abschaffen. Wie könnte man dieser Entwicklung entgegenwirken?

Indem wir Religionsunterricht und die Kirche insgesamt interessanter und lebensnaher gestalten. Früher ging es mehr um die Weitergabe von Tradition, heute steht die Vermittlung von Werten im Vordergrund. Ich erlebe, dass Werte wie „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ immer mehr verloren gehen. Das äußert sich beispielsweise in Mobbing. Wir müssen den Schülern Barmherzigkeit vermitteln. Der Andere hat das gleiche Recht wie ich zu Leben. Auch der Wert der Gemeinschaft. Deshalb ist Religionsunterricht so wichtig.

Schüler in Deutschland haben derzeit die Möglichkeit zwischen einem evangelischen, katholischen Religionsunterricht sowie Ethik zu wählen. Ist das noch zeitgemäß?

Ich bin der Auffassung: Die Pluralität einer Gesellschaft braucht Pluralität der Religion in der Schule.

Unsere Gesellschaft erfährt durch Flüchtlingsstrom und Zuwanderung einen Wandel. Die Vielfältigkeit an Religionen nimmt immer weiter zu. Sollte es nicht einen Ethikunterricht für alle geben?

Solange es genügend Schüler einer Konfession gibt, sollte es Religionsunterricht geben. Es ist wichtig, dass Menschen die Binnensicht auf ihre Religion haben. So kann zum Beispiel ein praktizierender Christ besser Gedanken und Werte des Islam nachvollziehen.

Religion kann verbinden aber auch Menschen voneinander trennen. Laufen wir nicht Gefahr, dass Religion zur Privatsache wird? Wie stehen sie zum islamischen Religionsunterricht?

Religion und Spiritualität gehören zum Menschen. Religion drängt dazu sich mitzuteilen. Durch Handeln und Reden wird sichtbar, zu welcher Religion ich gehöre. Wenn dein Glaube nicht zur Tat wird, dann sieht es keiner. Und was den islamischen Religionsunterricht anbelangt – ich bin sehr dafür, dass er an unseren Schulen angeboten wird. Gerade das Zusammenleben mit vielen Religionen macht es nötig, dass sich jeder einzelne seiner Religion vergewissern kann.

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