Scannen 2.0

Scannen mit dem Handy? Mit der App „CamScanner“ klappt das gut. Wir haben die Anwendung unter die Lupe genommen.

Stellen Sie sich vor, Sie sind in der Bibliothek und wollen einen bestimmten Abschnitt eines Buches für spätere Recherchen abspeichern. Normalerweise würde man am liebsten den Abschnitt einscannen oder kopieren. In den meisten Fällen würde man jetzt – sofern man auf keinen Scanner zugreifen kann – mit dem eigenen Smartphone ein Bild oder Schnappschuss machen. Beim späteren Anschauen der Fotografie bemerkt man dann vor allem eines: Das Bild ist schlecht und schief, es gibt zu viel unnötigen Rand, der Text ist unleserlich und die Belichtung suboptimal. Genau an diesem Punkt setzt CamScanner an.

„Scannen“ wie ein Scanner … nur besser

Es muss jedoch gleich angemerkt werden, dass die App CamScanner  die Kamera und Technik des Smartphones nutzt, sie jedoch deutlich bessere Ergebnisse liefert. Man kann sogar so weit gehen, dass CamScanner Mehrwert zu herkömmlichen Scannern bietet.

Wie funktioniert CamScanner und wie ist das Ergebnis?

Die Fotografie einer Buchseite sieht in den meisten Fällen wohl wie auf der Abbildung aus. Damit man alles auf das Foto bekommt, ist oft noch der Tisch oder Untergrund zu sehen. Das Bild ist durch falsche Weißwerte sehr dunkel, obwohl es bei Tageslicht aufgenommen wurde. Es ist eine leichte Verzerrung erkennbar und das Foto wird in der Galerie zwischen Urlaub- und Partyfotos gespeichert.

Die Abbildung zeigt den übersichtlichen Startbildschirm von CamScanner beim ersten Start. Später werden hier alle Scans dargestellt und sind direkt aufrufbar. Bei einem Klick auf „Scannen“ öffnet sich die Kamera und man fotografiert das Buch – soweit ist der Ablauf wie bei der vorinstallierten Kamera-App auf dem Smartphone.

Ist das Foto jedoch geschossen, sieht man den ersten Unterschied: CamScanner erkennt automatisch die Seite und markiert diese. Dies hat bei allen Tests erfolgreich funktioniert und bei einer Falscherkennung kann über die weißen Punkte leicht selbst korrigiert werden. Mittels dieser Funktion wird unter anderem der unnötige Hintergrund entfernt, als auch das Foto leicht entzerrt und korrigiert.

Nach der Bestätigung ist das Ergebnis sichtbar: Der Kontrast der Seite wurde erhöht, die Seite zugeschnitten und entzerrt. In den Optionen können Einstellungen für das Foto vorgenommen werden – in diesem Fall ist der automatische Modus zu empfehlen; bei farbigen Scans ist „Original“ die passende Lösung. Es können alle Filter als Vorschau angeschaut und die Änderungen nötigenfalls korrigiert werden.

CamScanner bietet jedoch noch einen weiteren Mehrwert zu normalen Fotografien: Die OCR-Erkennung. Durch dieses System wird der gedruckte und gescannte Text erkannt und kann so beispielsweise in eine Hausarbeit kopiert werden. Auch wenn sich noch Fehler einschleichen („Nigerde[ta“ statt „Nigerdelta“) kann die kostengünstige App hier mit sehr teuren Bezahllösung mithalten (vgl. Auflistung unten).

Empfehlen kann ich die OCR-Erkennung vor allem bei Scans über mehrere Seiten sowie zum Einfügen und Durchsuchen in Microsoft Word.

Im letzten Schritt wird der entscheidende Vorteil der App deutlich: Die Speicherung als PDF-Datei inklusive aller oben genannten Optimierungen. Das PDF kann dann beispielsweise an den Laptop gesendet werden oder auf einem E-Book-Reader gelesen werden. Im Beispiel wurde das PDF in Adobe Reader auf einem anderen Tablet gelesen.

Das Einfügen von eigenen Wasserzeichen ist ebenfalls möglich.

Zusammenfassung und Fazit

CamScanner erzielt Ergebnisse, für die man normalerweise mehr als ein Gerät und Programm benötigt:

  • Fotografie/Scan (z.B. Kamera-App oder Scanner)
  • Zuschneiden der Seite und Entzerrung (z.B. Adobe Photoshop Elements (ca. 80€))
  • Optimierung der Seite (z.B. Adobe Photoshop Elements)
  • OCR-Texterkennung (z.B. Abbyy Finereader (ca. 129 €))
  • PDF Erstellung aus der App heraus (z.B. PDF24 Creator)
  • Wasserzeichen hinzufügen (z.B. Photoshop in Verbindung mit PDF24 Creator)

Außerdem ist anzumerken, dass durch die hohe Auflösung der Smartphone-Kamera bessere Scanergebnisse erzielt werden als bei vielen herkömmlichen Scans.

Die Grundversion der App ist kostenlos, aber werbefinanziert. Die kostenpflichtige Version (circa 5 Euro) ist werbefrei und ohne Wasserzeichen des Herstellers. Die oben dargestellte Version entspricht der Pro-Version. Die App ist für iOS und Android verfügbar.

Ich kann die App jedem uneingeschränkt empfehlen. Bereits heute nutze ich ausschließlich CamScanner zum Scannen und Archivieren von Büchern und sonstigen Dokumenten. Schneller, einfacher und besser: So geht Scannen 2.0!

Text, Fotos & Screenshots: Fabian Marquardt

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