Smart Home – Das Haus der Zukunft?

„Habe ich das Licht ausgeschalten?“, „Ist der Backofen noch an?“ oder „Läuft die Heizung auf höchster Stufe?“. Wie oft haben Sie sich diese Fragen schon gestellt? Durch Smart Home soll genau das bald der Vergangenheit angehören. Aber sprechen wir hier wirklich von der Zukunft oder ist das Zuhause, das mitdenkt, gar nicht mehr weit entfernt?

Smart Home bzw. Home Communication meint die Vernetzung intelligenter Geräte in Wohnungen und Häusern. Schon heute können Lampen, Heizungen sowie Rollläden miteinander verbunden werden und lassen sich zentral steuern. Die Steuerung erfolgt meistens über das Internet, zum Beispiel per Tablet oder mit dem Smartphone auch von unterwegs. Smart Home hat verschiedene Anwendungsbereiche. Hierzu gehören Energiemanagement, Sicherheitslösungen, Gebäudeautomation, Versicherungen, Notfalldienste, Fernwartung, Garantieservices und Ambient Assisted Living (ALL). Ambient Assisted Living soll älteren als auch benachteiligten Menschen das Leben vereinfachen. Dadurch können sie ihr Leben länger selbstständig in ihren eigenen vier Wänden verbringen. Überhaupt ist das Ziel von Smart Home, das Leben im eigenen Zuhause einfacher und komfortabler zu machen.

Eine Studie der Deloitte Consulting GmbH und der Technischen Universität München zeigt, wie sich das Interesse an Smart Home-Angeboten über die unterschiedlichen Alterssegmente hinweg grundlegend unterscheidet. Während es bei den älteren Verbrauchern noch Aufklärungsbedarf gibt, sind die Jüngeren schon längst vom Smart Home überzeugt. Daraus kann man den Schluss ziehen, dass sich der Smart Home-Markt momentan noch in einem frühen Stadium bewegt und noch viel Potenzial vorhanden ist. Vergleichbar wie die Nutzung von Smartphones, wird Smart Home höchstwahrscheinlich in den nächsten zehn Jahren zur Selbstverständlichkeit werden. Die Gründe für das Interesse an diesem Trend sind verschiedene, hierzu gehören vor allem zusätzlicher Komfort und Sicherheit. Doch auch die sinkenden Heiz- und Stromkosten als auch der Spaßfaktor bei der Nutzung sollten nicht in Vergessenheit geraten.

Auf dem Smart Home-Markt gibt es viele verschiedene Anbieter. Hierzu gehören zum Beispiel RWE, Apple, Telekom sowie kleinere Startups. Jedoch lassen sich die Produkte der verschiedenen Anbieter meistens nicht miteinander kombinieren. Genau aus diesem Grund hat die Telekom ein Partnerschaftsmodell namens Qivicon entwickelt. Qivicon ist eine Plattform auf der Smart Home-Produkte von verschiedenen Herstellern angeboten werden. Diese Produkte sind alle miteinander kompatibel. Zu den Partnern gehören Energieversorger, Hersteller von Haushalts-, Heim- und Gartengeräten, Telekommunikationsunternehmen sowie Anbieter von Sicherheitslösungen. Darunter sind unter anderem namhafte Unternehmen wie Miele, EnBW, Huawei und Philips. Momentan ist allerdings noch nicht klar, wer den Smart Home-Markt langfristig dominieren wird. Da sich aber auch Apple auf dieses Partnerschaftsmodell stützt, ist es sehr wahrscheinlich, dass es im Smart Home-Markt keinen direkten Marktgewinner geben wird, sondern eine Zusammenarbeit auch für die verschiedenen Anbieter erstrebenswert ist.

Die smarte Küche

Auch im Bereich der Küchengeräte tritt Smart Home immer weiter in den Mittelpunkt. Wer wünscht sich nicht, dass die Kaffeemaschine wie von selbst frischen Kaffee zum Frühstück macht und der Kühlschrank die fehlenden Lebensmittel automatisch bestellt? Tatsächlich gibt es schon viele Küchengeräte, die sich per Smartphone steuern lassen und miteinander vernetzt sind. Dazu gehören unter anderem Kühlschränke, Backöfen, Herdplatten, Dunstabzugshauben sowie Kaffeemaschinen. Der Kühlschrank zum Beispiel kann bei jedem Öffnen und Schließen der Türe mit einer Kamera ein Foto des Innenraums aufnehmen, wodurch von unterwegs einfach ein Blick in den Kühlschrank geworfen werden kann. Des Weiteren können Push-Benachrichtigungen vom eigenen Kühlschrank gesendet werden, die mitteilen, welche Lebensmittel demnächst zu Ende gehen. Jedoch zeigt uns der Lebensmittelmarkt beim automatisierten Bestellen von Nahrung gewisse Grenzen auf. Stellen sie sich vor, DHL müsste neben Kleidung, Haushaltsgeräten oder anderen Produkten zusätzlich frisches, gekühltes Fleisch oder Milch liefern. Da das momentan noch nicht so einfach möglich ist, macht es kaum Sinn, wenn Geräte wie der Kühlschrank Lebensmittel automatisch online bestellen. Jedoch hat REWE nun begonnen, den Online-Lebensmittelmarkt zu erforschen und liefert in einigen Städten Lebensmittel direkt nach Hause. Somit ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Verbraucher auch auf diese Entwicklung nicht mehr lange warten müssen.

Die Zukunftsprognose des Smart Home-Marktes

Aus einer Analyse von Statista geht hervor, dass es in Deutschland bis 2020 ca. 2,4 Millionen Smart Homes geben wird. Jedoch sind die Geschäftsmodelle im heutigen Smart Home-Markt noch überschaubar. Entweder werden die Gewinne aus Hardwareverkäufen gemacht oder aus Services auf Basis von bezahl- und nutzungsabhängigen Modellen wie Abonnements. In der Zukunft könnten Dienstleistungen im Smart Home-Markt eine wichtige Rolle spielen. Die Verbraucher könnten beispielsweise nur für die Nutzung des Gerätes bezahlen, anstatt es zu kaufen. Dieses Modell wird auch schon in anderen Branchen wie der Automobilbranche angewandt. Hier können die Nutzer ein Auto leasen, sie zahlen also einen monatlichen Beitrag zum Leihen des Autos. Zu dem Service, der in Zukunft im Smart Home-Markt angeboten werden könnte, gehören ebenfalls Reparaturleistungen und Fernwartungen. Somit kann der Händler dem Kunde gewährleisten, dass das Gerät immer voll funktionstüchtig bleibt. Wenn ein Teil des Gerätes nicht mehr problemlos funktioniert, kann dies durch die Fernwartung  frühzeitig erkannt und das Bauteil vor Ort von einem Technicker ausgetauscht werden. Aus der Studie Deloitte Smart Home Survey 2015 geht hervor, dass eine beachtliche Zahlungsbereitschaft für die Installation oder Fernwartung von Smart Home-Systemen besteht.

Datenschutz und Sicherheitslücken

Neben vielen Vorteilen bringen einige Smart Home-Systeme jedoch auch Risiken mit sich. Wenn die Heizung, das Überwachungssystem und der Fernseher an das Internet angeschlossen sind, können private Daten durch Eingriffe in das System in die falschen Hände geraten. Hierbei sind vor allem die Smart Home-Systeme gefährlich, bei denen die Haustüre mit dem Smartphone geöffnet werden kann, da es den Einbrechern durch ein Eingreifen in das System oft leicht gemacht wird, in das Haus einzudringen. Jedoch sind nicht alle Smart Home–Systeme unsicher. Wichtig ist vor allem, sich vor dem Kauf gut über den Datenschutz als auch die Sicherheitsvorkehrungen des Produktes zu informieren. Ebenfalls kann der Verbraucher sich vor Eingriffen schützen, indem er regelmäßige Software-Updates durchführt.

Ein Beitrag von Lara Fortenbacher (MuK0514)

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