Social Bots: Etwas für jedermann?

Alle reden über die Gefahren von Social Bots. Sie beeinflussen die Meinung des Empfängers und lassen diesen im Dunkeln über die Identität des Senders. Aber was genau sind eigentlich Social Bots und kann jeder einen nutzen?

Seit 2016 haben Social Bots eine große Aufmerksamkeit auf sich gezogen, als das Team von Donald Trump diese im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf nutzte und schließlich auch gewann.

Social Bots, oder auch Social Networking Bots genannt, sind Programme, die sich als Account auf sozialen Medien darstellen. Sie imitieren ein menschliches Verhaltensmuster, das es anderen Nutzern fast unmöglich macht, diese als Bots zu identifizieren. Da die Ausrichtung von Social Bots von Programmierern vorgegeben wird, sind diese grundsätzlich nur eine neutrale Hülle.

Grundsätzlich lassen sich Social Bots in drei Kategorien einordnen: Trendsetter, Überlaster und Auto-Trolle. Der Trendsetter ist meist auf Twitter zu finden. Dort werden sogenannte Hashtags verwendet, die ab zehntausenden individuellen Erwähnungen in die Twitter-Trends aufgenommen und für jeden Nutzer sichtbar herausgestellt werden. So wird versucht, bestimmte Meinungen und Stimmungen zu beeinflussen. Der Überlaster hingegen überfüllt gezielt eine Internetseite oder den Account eines Nutzers mit einer bestimmten Aussage, Meinung oder Botschaft. Darüber hinaus gibt es noch den Auto-Troll, der einfach nur versucht, eine belanglose Unterhaltung zu führen. Meist sind diese Kommentare sinnlos, beleidigend oder störend. Eine Mischung aus dem Trendsetter und dem Überlaster stellen Werbe- und Spam-Bots dar, die eine Facebook-Startseite beziehungsweise Twitter-Timeline mit personifizierten Anzeigen fluten.

„Das Ganze hört sich jetzt sehr kompliziert an, ist es aber nicht“, sagt Max Winkler (Name von der Redaktion geändert), der schon einige Bots selbst programmiert hat: „Das Schwierigste ist, auf jede Anfrage eine passende Antwort zu haben. Also brauchst Du jede Menge Geduld, Zeit und Leute, die den Bot für Dich testen.“

Die Entwicklung an sich ist nicht übermäßig teuer. Ab fünfhundert Dollar bekommt man schon zehntausend hochwertige Twitter Accounts, die geübte Programmierer in bis zu zwanzig Stunden ohne bereitgestellte Software programmieren können. Wer für dieses Vorgehen allerdings keine fünfhundert Dollar ausgeben möchte, kann sich auch mal an einer kostenlosen Software probieren, wie zum Beispiel auf meya.ai. Dort kann man sich per Anleitung einen simplen Bot erstellen, der auf Fragen beziehungsweise Kommandos reagieren kann.

„Je besser man programmieren kann, desto intelligenter werden die Bots“, schätzt Max Winkler die Fähigkeiten der Bots ein.

Für einen hoch qualifizierten Bot benötigt man Deep Learning und neuronale Netze, aus denen sich die künstliche Intelligenz, kurz KI, ergibt. Eine ausgiebige Datenanalyse sorgt dafür, dass Roboter in sozialen Medien Meinungen, Aussagen und Ziele verfolgen können, die menschlicher Natur sind. Um diese dann auch noch moderner und menschlicher wirken zu lassen, programmiert man ihnen Allgemeinwissen und das aktuelle Weltgeschehen ein. Dies nutzen Programmierer, um die Nutzer über die wahre Identität hinweg zu täuschen. Nachdem man den Bot programmiert hat, benötigt man eine Programmschnittstelle zum sozialen Medium, welches meist kostenlos und öffentlich zur Verfügung steht, um den Bot dort zu platzieren.

Die meisten Bots werden an Zwischenhändler oder direkt an Unternehmen verkauft, welche mit dieser Methode zum Beispiel ihre Reichweite für Werbemaßnahmen oder Meinungstrends vergrößern möchten. Das Ganze findet aber im Verborgenen statt, da in der Regel weder die Programmierer, noch die Unternehmen die Nutzung von Social Bots öffentlich bekannt machen wollen. Diese Art der Meinungsmache und Meinungsbeeinflussung ist gesellschaftlich noch sehr umstritten.

Hier finden Sie eine Videoanleitung zum Programmieren eines Social Bots:

Sicherheitshinweis: Bei den Calwer Notizen handelt es sich um ein studentisches Weblog. Falls Ihnen Fehler oder Verstöße auffallen, setzen Sie sich zwecks Behebung bitte mit uns in Verbindung.

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