Wearables nur ein Nischenprodukt?

Immer wieder mal sieht man Menschen mit elektronischen Armbändern und Uhren. Ist tragbare Technologie nur ein Nischenprodukt? Dieser Beitrag bietet einen Überblick über Wearables und Unwearables.

„Wearable? Noch nie gehört!“

Allgegenwärtig und doch kennen nur Wenige die kleinen Armbänder oder Brillen unter ihrem Fachbegriff. Wearables sind kleine Computer, die am Körper getragen werden. Der Sinn hinter dieser tragbaren Technik ist größtenteils die Unterstützung einer Tätigkeit in der realen Welt. Hauptmerkmal der Elektronik ist das Zusammenwirken von hochentwickelter Sensorik, permanenter Datenverarbeitung sowie der schnelle Support des Nutzers.

Bei einer Befragung des TNS Infratest von 1.003 Personen aus Deutschland, welche im Januar 2016 durchgeführt wurde, fragte man nach der Bekanntheit digitaler Begriffe. Von den Befragten wussten 86 Prozent nichts unter dem Begriff „Wearables“ zu verstehen, acht Prozent kannten den Begriff und nur fünf Prozent konnten die Technologie beschreiben.

Der Grund hinter der Unbekanntheit des Fachbegriffs könnte die Vielfalt der erhältlichen Produkte sein. Große Hersteller wie Apple, Samsung, Polar oder FitBit spezifizieren ihre Ware. Es gibt neben Fitness-Armbändern, GPS-Uhren, Smart Watches auch Datenbrillen, Videobrillen und Action Cams. Unter diesen Begriffen sind die Wearables häufig eher bekannt.

Der erste tragbare Computer

Die kleinen Mini-Computer existieren nicht, wie man annehmen könnte, erst seit dem 21. Jahrhundert. Das erste Wearable fand seinen Ursprung vor über 350 Jahren in China zu Zeiten der Ming-Dynastie. Der Erfinder wollte sich zum Sport motivieren und seine eigenen Ziele erreichen, woraufhin er einen Abakus-Ring, einen Ring mit Rechenhilfe, erfand. Somit war der erste Meilenstein in der Geschichte von Wearables erreicht.

Wearables im 21. Jahrhundert

Angefangen von zahlreichen Smart Watches, Action Cams sowie digitalen Brillen gibt es jedes Jahr neue Innovationen. Während jährlich Weiterentwicklungen von bestehenden Computern auf den Markt kommt, soll es bald auch echte Innovationen im Bereich der tragbaren Helfer geben.

Die Firma Waverly Labs machte es sich zur Aufgabe, einen In-Ohr-Kopfhörer zu entwickeln, um Sprachbarrieren zwischen den Menschen aus dem Weg zu räumen. Zwei Jahre hat das Team aus Programmierern, Ingenieuren, Designern und Übersetzungsexperten an der Technologie gearbeitet. Mit einer kompatiblen App auf dem Smartphone kann die Sprache eingestellt werden und das System soll in Echtzeit übersetzen können. Die Geräte sollen zum Verkaufspreis zwischen 249 und 299 US-Dollar vertrieben werden und sind somit in der Wearable-Familie im mittleren Preissegment angesiedelt.

Das Finanzierungsprojekt startete im Mai auf Indiegogo, einer internationalen Crowdfunding-Seite. Aktuell wurden bereits $2,495,230 USD Finanzmittel für das Projekt gesammelt und täglich steigt die Summe. Als Gegenleistung für eine Investition werden sogenannte Perks angeboten. In diesem Fall sind es Vergünstigungen auf den Kauf der Kopfhörer.

Das Gerät soll bis zur Einführung im kommenden Herbst zwischen Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch übersetzen können, wobei beide Gesprächspartner einen Ohrstöpsel tragen müssen. Den größten Fortschritt könnte die Technologie für die Bereiche des internationalen Tourismus, Konzernen sowie in der Entwicklungshilfe bedeuten. Aber auch private Nutzer können sich mit anderssprachigen Familienangehörigen unterhalten sowie Kommunikationsschwierigkeiten zu Geflüchteten aufheben.

Das Interesse für die Kopfhörer ist groß und die Entwickler erwarten eine positive Resonanz. Es ist jedoch zu hinterfragen, was passiert, wenn die Technik sich durchsetzt. Jugendliche und Kinder könnten sich gegen die Sprachlehre in den Schulen verweigern. Dolmetscher werden es in Zukunft auch nicht leicht haben, denn die Elektronik kann eine ernsthafte Gefährdung für ihren Arbeitsplatz darstellen.

Sicherheitslücken im Datenschutz

Das Tragen eines Wearable verpflichtet nicht unbedingt zur Registrierung in Netzwerken und Apps. Wenn das Produkt aber vollständig genutzt werden möchte, kommt man um das Eingeben seiner Nutzerdaten wie beispielsweise Geburtsdatum, Größe, Gewicht und zum Teil auch des Wohnhaftes nicht drumherum. Ein kritischer Gesichtspunkt, welcher den Verbraucherschutz beunruhigt.

Das Thema mit dem Umgang der „sensiblen“  Nutzerdaten wurde am „Safer Internet Day 2016“ diskutiert. Der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, Klaus Müller, thematisierte in seiner Rede „Nützlich oder riskant? Wearables und Gesundheits-Apps aus Sicht des Verbraucherschutzes“ vor allem die Nutzung der Self-Tracker im Gesundheitsbereich. Die Nutzer der tragbaren Körperfunktionsüberwachung gehen häufig leichtsinnig mit ihren privaten Daten um, da sie sich von Big Data Heilungschancen für ihre Krankheiten erhoffen. Mittlerweile locken Krankenkassen mit Angeboten einer Kostenbeteiligung für Wearables, wie beispielsweise für die Apple Watch. Momentan bezuschussen die AOK Nordost sowie die Privatkasse DKV einen Betrag von 50 Euro für den Kauf eines Geräts, welches Herzfrequenz, Puls und Aktivität aufzeichnen soll. Der Grund, warum die Kassen sich eine hohe Resonanz erhoffen, ist der Spieltrieb des Nutzers. Durch die Neugierde beim Konsumenten, sowie eine entstehende Wettbewerbssituation durch das Aufzeichnen der Daten, soll ein Armband zu mehr Bewegung und einem gesünderen Lebensstil veranlassen.

Der Verbraucherschützer Klaus Müller sieht dieses Angebot skeptisch:

„Hier geht es primär um die Kundenbindung und Datensammlung, aber nicht um innovative Versorgung“.

Eine weitere Digitalisierung soll im Bereich der Patientenakten erfolgen. Die Krankenkassen sind interessiert, die Aktivitätsdaten ihrer Versicherten zu sammeln und zu verwalten. Über die Bonusprogramme möchten sie Vorteile im Tarif bieten. Skeptiker kritisieren dieses Vorhaben mit der Begründung, dass langfristig Nutzer mit ungesundem Lebensstil nicht mehr versichert werden würden. Zudem könnten die erfassten Daten an Dritte weitergeleitet werden und somit dem Nutzer erheblicher Schaden zufügt werden.

Die Idee, Gesundheits- und Vitaldaten zu erfassen, kann als innovative Versorgungsleistung angesehen werden, jedoch darf das nur stattfinden, wenn der Datenschutz und die Datensicherheit dabei nicht außer Acht gelassen werden.

Die Zukunft hängt am Handgelenk

Trotz der Diskussionen im Bereich Datenschutz wächst der weltweite Markt der tragbaren Elektronik weiter. In einem Schaubild von Statista ist der Wachstumsanstieg der verkauften Wearables 2015 deutlich zu sehen.  Apple ist mit dem Betriebssystem watchOS der weltweit führende Anbieter im Jahr 2016 auf dem Wearables-Markt. Mit knapp 50 Prozent Marktanteil und 14 Millionen verkauften Geräten liegt der Konzern vor dem Konkurrenten Android Wear, welcher einen Anteil von 21 Prozent hat.

Das Wachstum für 2016 ist mit einem Anstieg von 38 Prozent im Vergleich zum Vorjahr prognostiziert. Das Marktforschungsunternehmen International Data Corporation (IDC) gab einen Ausblick auf den Aufwärtstrend für die kommenden Jahre. 2020 wird ein Verkauf von 237 Millionen tragbaren Geräten erwartet, womit sich ausschließen lässt, dass diese Technik nur ein Nischenprodukt ist.

Der Alltag wird immer mehr digitalisiert und im Hinblick auf bereits erschienene, sowie zukünftige Innovationen im Bereich der tragbaren Elektronik, kann man auf Verbesserungen und Alltagserleichterungen gespannt sein. Das funktioniert jedoch nur, wenn die Nutzer sich bewusst sind, dass man nicht mehr nur ein Armband trägt, sondern auch einen ständigen Überwacher.

Ein Beitrag von Franziska Dehn (MUK0514)

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